Die Auswirkungen des neuen Koalitionsvertrags auf die Pflegebranche

Martin Mörmann • 2. Mai 2025

Im neuen Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD weitreichende Reformen in der Gesundheits- und Pflegepolitik angekündigt. Ziel ist es, die pflegerische Versorgung zukunftssicher zu machen – mit besseren Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, einer finanziell tragbaren Pflegeversicherung und mehr Unterstützung für pflegende Angehörige. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, was die geplanten Veränderungen konkret für die Pflegebranche und für Sie als Betroffene oder Angehörige bedeuten.

Große Pflegereform: Mehr Klarheit, mehr Leistungen, weniger Bürokratie

Im Mittelpunkt der neuen Pflegestrategie steht die sogenannte „große Pflegereform“, die gemeinsam von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden entwickelt wird. Ziel ist es, die Leistungen der Pflegeversicherung besser zu bündeln und einfacher zugänglich zu machen.


Geplant sind unter anderem:

  • Klarere und flexiblere Leistungsstrukturen
  • Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, etwa durch finanzielle Zuschüsse oder Schulungen
  • Modellprojekte wie „stambulant“ sollen Teil der Regelversorgung werden, also eine stärkere Verzahnung ambulanter und stationärer Leistungen
  • Bessere Versorgung in Krisensituationen, wie bei plötzlicher Pflegebedürftigkeit


Gerade für Familien, die Angehörige zu Hause betreuen, kann das eine spürbare Erleichterung sein. Viele der angekündigten Maßnahmen bauen auf den Entwicklungen der Pflegeversicherungsreform auf und sollen Leistungen künftig einfacher zugänglich machen.

Pflegekräfte im Fokus: Weniger Bürokratie – mehr Eigenverantwortung

Der Koalitionsvertrag setzt auf attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege.


Dazu gehört:

  • Ein Bürokratieentlastungsgesetz, das überflüssige Dokumentationspflichten abbaut
  • Stärkere berufliche Autonomie, unter anderem durch neue Rollen wie die „Advanced Practice Nurse“
  • Bessere Bezahlung und einheitliche Gehaltsstrukturen, auch für Mitarbeitende von Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst
  • Vereinfachte Anerkennungsverfahren für internationale Fachkräfte


Für Pflegekräfte bedeutet das: mehr Zeit für die Menschen, weniger Stress durch Papierkram und neue Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf.

Pflegefachkräfte der Sozialstationen Mittelbaden

Ambulante Versorgung und sektorenübergreifende Zusammenarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der ambulanten Versorgung, vor allem durch:

  • Schnellere Arzttermine über ein verbindliches Primärarztsystem
  • Stärkere Rolle der Haus- und Kinderärzte
  • Strukturierte Terminvergabe durch Kassenärztliche Vereinigungen (KV) mit Termin-Garantie
  • Ambulante Versorgung durch Krankenhäuser, wenn ein Facharzttermin nicht vermittelt werden kann
  • sektorenunabhängige Fallpauschalen, die ambulante und stationäre Leistungen besser miteinander verzahnen


Für Pflegebedürftige bedeutet das: kürzere Wege, weniger Wartezeit und bessere Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren.

Mehr Geld für die Pflege

Finanzierung der Pflege: Nachhaltig und sozial gerecht

Pflege soll bezahlbar bleiben – für Pflegebedürftige ebenso wie für Beitragszahler.


Der Koalitionsvertrag sieht daher vor:

  • Stabilisierung der Beitragssätze, um steigende Kosten in den Griff zu bekommen
  • Einführung eines neuen Finanzierungsmodells mit Fokus auf einkommensabhängige Beiträge
  • Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile
  • Verlagerung versicherungsfremder Leistungen, wie Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, in die staatliche Verantwortung


Das ist ein wichtiges Signal für viele Familien: Pflege darf nicht zur finanziellen Belastung werden.

Digitalisierung und Entlastung im Pflegealltag

Der Koalitionsvertrag treibt auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen konsequent voran.


Vorgesehen sind:

  • Einführung der elektronischen Patientenakte 
  • KI-gestützte Dokumentationssysteme für Pflegeeinrichtungen
  • Förderung von Telemedizin und Videosprechstunden
  • Einheitliche Standards für digitale Pflegedokumentation


Dies soll den administrativen Aufwand erheblich reduzieren und für bessere Kommunikation und mehr Transparenz zwischen Pflegediensten, Ärzten und Angehörigen sorgen. Einige Verbesserungen sind bereits in Kraft. Einen Überblick über die aktuell geltenden Leistungen finden Sie in unserem Beitrag Pflegeversicherung 2025: Neuerungen im Überblick.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung

Die geplanten Reformen sind umfangreich und sie greifen viele Forderungen auf, die Pflegekräfte und Angehörige seit Jahren stellen. Weniger Bürokratie, mehr Zeit für Menschen, bessere Leistungen und mehr finanzielle Gerechtigkeit: Das sind klare Verbesserungen, die die Pflegebranche stärken können. Ob diese Reformen ihr volles Potenzial entfalten, wird davon abhängen, wie konsequent sie umgesetzt werden. Wir begleiten die Entwicklungen mit großer Aufmerksamkeit.


Welche weiteren Änderungen Angehörige und Pflegebedürftige erwarten können, lesen Sie in unserem Artikel Pflege 2026: Was sich jetzt schon ändert.


Sie haben Fragen? Wir beraten Sie gerne!

Ob es um neue Leistungen geht, die passende Versorgung oder die Organisation der Pflege zu Hause. Wir sind für Sie da!

Unterstützung für Angehörige

FAQ

  • Was ändert sich 2025 durch die große Pflegereform?

    Die geplante „große Pflegereform" soll die Leistungen der Pflegeversicherung besser bündeln und einfacher zugänglich machen. Dazu zählen klarere und flexiblere Leistungsstrukturen, mehr Unterstützung für pflegende Angehörige sowie eine stärkere Verzahnung ambulanter und stationärer Versorgung durch Modellprojekte wie „stambulant".

  • Wird die Pflegeversicherung 2025 teurer?

    Der Koalitionsvertrag sieht eine Stabilisierung der Beitragssätze sowie ein neues, einkommensabhängiges Finanzierungsmodell vor. Zudem sollen die pflegebedingten Eigenanteile begrenzt und versicherungsfremde Leistungen wie Rentenbeiträge für pflegende Angehörige in staatliche Verantwortung verlagert werden.

  • Was bringt der Koalitionsvertrag für Pflegekräfte?

    Pflegekräfte sollen künftig von weniger Bürokratie profitieren, etwa durch ein Bürokratieentlastungsgesetz, das überflüssige Dokumentationspflichten abbaut. Zudem sind eine stärkere berufliche Autonomie durch neue Rollen wie die „Advanced Practice Nurse", bessere Bezahlung sowie vereinfachte Anerkennungsverfahren für internationale Fachkräfte geplant.

Icon Diamant blau als Symbol für

Noch mehr spannende Blogeinträge:

Zwei Senioren gehen Hand in Hand
von Martin Mörmann 26. Februar 2026
Pflege 2026 bringt Änderungen und weitere Reformen sind geplant. Lesen Sie jetzt, was das für Angehörige bedeutet und worauf Sie achten sollten.
Pflegefachkraft putzt für Seniorin mit Pflegegrad 1
von Harald Immer 29. Oktober 2025
Pflegegrad 1 wird nicht abgeschafft, doch Leistungen ändern sich. Erfahren Sie, welche Anpassungen geplant sind und worauf Sie sich einstellen sollten.
Pflegegrade 1-5 im Überblick
von Harald Immer 6. Februar 2025
Wie bekomme ich einen Pflegegrad und auf welche Leistungen habe ich Anspruch? Wir erklären die Voraussetzungen und Ansprüche der Pflegegrade 1-5.
Pflegeversicherung Änderungen 2025
von Harald Immer 20. Dezember 2024
Die Änderung der Pflegeversicherung hat Konsequenzen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Wir erklären ihnen, was sie wissen müssen!
Frau hält Schild mit Glühbirne hoch.
von Martin Mörmann 20. Juni 2024
In diesem Blogbeitrag beleuchten wir aktuelle Trends und Prognosen, um zu verstehen, wie sich die Pflege in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Offene linke Hand mit Geldstücken: Reform der Pflegeversicherung
von Martin Mörmann 17. November 2023
Das Pflegeunterstützungs- und entlastungsgesetz hebt Leistungen für die Pflege und unterstützt pflegende Angehörige.

Diesen Artikel teilen