Wie Sie mit den emotionalen Herausforderungen der Pflege umgehen können: Erfahrungen und Tipps aus dem Pflegealltag

Maximilian Hartmann • 21. Juli 2025

Pflege ist ein Beruf, geprägt von Nähe, Mitgefühl und großer Verantwortung. Gleichzeitig bringt er emotionale Belastungen mit sich: der Umgang mit Leid und Tod, das Aushalten von Stresssituationen, die Balance zwischen Empathie und professioneller Distanz. Wie schafft man es dabei psychisch gesund und handlungsfähig zu bleiben?


Pflegekräfte der Katholischen Sozialstationen Mittelbaden berichten aus ihrem Alltag und teilen ihre persönlichen Strategien im Umgang mit den seelischen Herausforderungen ihres Berufs.

Selbstfürsorge: Die Basis für Stabilität

Wer in der Pflege für andere da ist, muss zuerst für sich selbst sorgen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den KSM betonen, wie wichtig es ist, körperlich und seelisch ausgeglichen zu sein.


„Ich habe gelernt, verschiedene Strategien zur Selbstfürsorge einzusetzen, dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und bewusst geplante Auszeiten zur Erholung“, sagt Elisabeth Budnik. „Ich hole mir aktiv Unterstützung bei Kolleginnen und Vorgesetzten, wahre professionelle Distanz und setze klare emotionale Grenzen“, ergänzt sie. Auch Beate Müller achtet auf ihre Balance: „Ich lasse Gefühle zu, gehe meinen Hobbys nach, bemühe mich um Stressabbau und achte bewusst auf Empathie – auch gegenüber mir selbst.“


Diese Haltung schützt nicht nur vor Überforderung, sondern schafft auch Raum für persönliche Entwicklung.

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Emotionale Belastung erkennen und annehmen

Im Pflegealltag können belastende Situationen unerwartet auftreten, besonders, wenn Patientinnen oder Patienten versterben. Hier sind emotionale Stärke und Sensibilität gefragt.


„Der Umgang mit Trauer und Schmerz, vor allem bei Menschen, die ich über längere Zeit betreut habe, fällt mir nicht leicht“, berichtet Monika Lisowski. „In solchen Fällen spreche ich mit Angehörigen und nehme mir Zeit für einen persönlichen Abschied.“ Auch Susan Merkel unterstreicht die Bedeutung des achtsamen Umgangs mit innerer Anspannung: „Es ist essenziell, die eigene Belastungsgrenze zu kennen und sie auch einzuhalten.“


Machen Sie sich bewusst: Emotionale Betroffenheit ist keine Schwäche, sondern Ausdruck von Menschlichkeit.



Der Austausch im Team: Kraftquelle im Pflegealltag

Eine der wirkungsvollsten Strategien gegen seelische Belastung ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. In vielen Situationen ist das offene Gespräch der erste Schritt zur Entlastung.


„Ich führe regelmäßig Gespräche mit Kolleginnen“, sagt Alexandra Dambon. „Das hilft mir, Erlebtes zu verarbeiten und neue Perspektiven zu gewinnen.“ Auch Monika Lisowski betont: „Ich versuche, mich viel mit Kolleginnen auszutauschen. Das hilft oft mehr als man denkt.“


Solche Begegnungen im Team schaffen Vertrauen und zeigen: Niemand ist mit seinen Gefühlen allein.




Persönliche Auszeiten und Hobbys: Abstand gewinnen

Neben dem kollegialen Rückhalt sind auch bewusste Auszeiten wichtig. Sie geben Raum für Erholung und helfen, emotionale Spannungen zu lösen.


„Durch Hobbys kann man sich einen wichtigen Ausgleich schaffen“, erklärt Susan Merkel. Alexandra Dambon ergänzt: „In meinen Hobbys finde ich einen guten Gegenpol zur täglichen Arbeit.“


Diese Momente – ob beim Sport, im Garten oder beim Musikhören – geben neue Energie und stärken die seelische Widerstandskraft.

Fazit: Pflege braucht Emotion und Grenzen

Pflegekräfte erleben täglich Momente großer Nähe aber auch großer Belastung. Der Schlüssel liegt darin, offen über Gefühle zu sprechen, Grenzen zu respektieren und Strategien zur Selbstfürsorge zu entwickeln. Die Erfahrungen der Mitarbeitenden der Katholischen Sozialstationen Mittelbaden zeigen: Niemand muss immer stark sein. Aber jede und jeder darf lernen, gut für sich selbst zu sorgen.


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